Augen am Himmel: Drohnen verändern die Bergrettung in der Schweiz
In der Schweiz werden in der Bergrettung immer öfter Drohnen eingesetzt. Sie helfen bei der Suche nach Vermissten, analysieren Lawinengebiete und unterstützen Einsätze in schwierigem Terrain.
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Jedes Jahr zieht es Millionen Menschen zum Wandern, Skifahren und Bergsteigen in die Schweizer Alpen. Die Landschaften sind spektakulär, können aber auch erbarmungslos sein. Steiles Gelände, plötzliche Wetterumschwünge und Lawinengefahr führen dazu, dass in der Schweiz jedes Jahr rund 3500 Personen in den Bergen gerettet werden müssen. In solch anspruchsvollem Umfeld setzen die Rettungsteams immer öfter einen neuen fliegenden Verbündeten ein.
Drohnen für den Einsatz in schwierigstem Gelände
In der Bergrettung gehören Drohnen heute zu einer der sichtbarsten technologischen Neuerungen. In der Praxis erfüllen sie mehrere wichtige Funktionen: Sie sind mit Wärmebildkameras, Handy-Detektionssystemen und fortschrittlicher Navigationssoftware ausgestattet und können so steile Hänge und Lawinenschuttkegel absuchen oder in schwer zugängliche oder gefährliche Gebiete fliegen.

Schweizer Rettungsprofis betonen jedoch immer wieder, das Drohnen die Rettungskräfte nicht ersetzen können. Sie reduzieren hingegen die Risiken. Die Schweizer Bergrettungsdienste entwickeln allerdings keine eigenen Drohnen, sondern setzen auf kommerzielle Anbieter wie DJI oder die Drohne der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten.
«Die Drohnentechnologie entwickelt sich rasant» – Rolf Gisler, Koordinator Drohne, Alpine Rettung Schweiz
Rettung dank Drohne
Die Rettungsdrohne der Rega ist derzeit eines der modernsten Systeme in der Schweiz. Sie ist eine Spezialanfertigung mit einer Rotorspannweite von etwas mehr als zwei Metern und fliegt autonom in einer Höhe von 80 bis 100 Metern über dem Boden. Sie scannt systematisch vordefinierte Suchbereiche. An Bord befinden sich eine Tageslichtkamera, eine Wärmebildkamera und ein Mobilfunkortungssystem namens Lifeseeker, das ein Mobiltelefon auf wenige Meter genau orten kann, selbst in Gebieten ohne Mobilfunkempfang. Ein in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) entwickelter, selbstlernender Algorithmus analysiert die Wärmebilder in Echtzeit und meldet der Rega-Helikopterbasis mögliche Personensichtungen.
Die Drohne kommt namentlich dann zum Einsatz, wenn der Rettungshelikopter wegen schlechter Sicht am Boden bleiben muss. Sie ersetzt also nicht die vorhandenen Mittel, sondern springt ein, wenn die Sicherheit der Helikopterteams nicht gewährleistet ist. Die Drohne wird ständig weiterentwickelt, damit sie auf dem neuesten Stand der Technik bleibt.
«Drone Valley» der Schweiz
Dass die Schweiz in der Drohnentechnologie eine führende Rolle spielt, ist kein Zufall. Vor allem die beiden ETH Zürich und Lausanne gehören zur Weltspitze bei der Grundlagenforschung im Bereich des autonomen Fliegens. Rund um dieses akademische Ökosystem sind mehr als 80 Drohnen-Start-ups mit rund 6500 Vollzeitstellen und einem Umsatz von fast 600 Millionen Franken entstanden.

Die anspruchsvolle Topografie der Schweiz erweist sich als ihr grösster Entwicklungsvorteil. Wenn ein System im Winter in den Alpen zuverlässig funktioniert, wird es wahrscheinlich fast überall auf der Welt funktionieren. Die Berge sind zu einem echten Forschungslabor geworden, dessen Ergebnisse in die ganze Welt exportiert werden. Das föderale System der Schweiz erlaubt auch experimentelle Testzonen und Pilotprojekte, wie das kürzlich lancierte Alpine Drone Consortium, das kontrollierte Flugzonen unter realen Bedingungen ermöglicht.
Die Alpen als Testgebiet für neue Lösungen
Die Bergrettung ist nur ein Beispiel dafür, wie extreme alpine Umgebungen die Drohneninnovation vorantreiben. In der ganzen Schweiz entwickeln Forschende und Start-ups neue Systeme zur Verbesserung der Sicherheit in den Bergen.
Technologie zur Unterstützung von Rettungsteams
Ungeachtet dieser technischen Fortschritte bleibt in der Schweiz der Mensch der wichtigste Akteur bei der Bergrettung. Letztlich begeben sich Pilot/-innen, Bergführer/-innen, Rettungssanitäter/-innen und Freiwillige in das schwierige Gelände, um Menschen in Not zu erreichen. Die Technologie wird immer öfter zu einem Verbündeten. Drohnen, Sensoren und neue Datensysteme erlauben es den Rettungskräften, bereits vor dem eigentlichen Einsatz komplexe Situationen schneller zu verstehen und Risiken zu reduzieren.
Das Ziel bleibt jedoch unverändert: Menschen in Gefahr so schnell und sicher wie möglich erreichen, auch in den entlegensten Winkeln der Schweizer Alpen.
