Das Schweizer Sackmesser – ein Kultobjekt
Das Schweizer Sackmesser ist eine nationale Ikone. Wissenswert ist jedoch, dass das erste Taschenmesser das Ergebnis einer deutschen Idee, eines französischen Werkzeugs, einer schweizerischen Produktion und einer internationalen Vermarktung war. Zeitlos und unentbehrlich – das Schweizer Sackmesser ist ein Kultobjekt für Jung und Alt, im Alltag und auf Reisen.

Beim Militär, auf dem Campingplatz, im Bastelraum, beim Picknick oder für den Fall der Fälle – das Schweizer Sackmesser ist das nationale Kultobjekt schlechthin. Aus gutem Grund: Denn es ist nicht nur ein Messer, sondern ein multifunktionales Werkzeug, das in der französischen Sprache sogar zu einer Metapher wurde. Der Ausdruck «être un véritable couteau suisse» (ein echtes Schweizer Taschenmesser sein) steht für die Anpassungsfähigkeit, die Effizienz oder das Potenzial einer Sache oder einer Person.
Ein Objekt für alle Lebenslagen
Dank seinem Sackmesser befreite sich ein berühmter Abenteurer immer wieder aus prekären Situationen. Gemeint ist natürlich Angus MacGyver, der mit seinem Schweizer Taschenmesser alles machen konnte. Aber er ist nicht der einzige, der diesem Objekt zu Weltruhm verhalf.
Das Schweizer Sackmesser hatte auch seine Filmauftritte, namentlich in «Brennpunkt L.A.» und in der Comicreihe «Die Fantastischen Vier» oder in der Serie «Akte X» in den Händen von Dana Scully oder in jenen von Matt Damon in «Der Marsianer». Dass die Wahl auf das Schweizer Sackmesser fiel, ist kein Zufall, schliesslich zählt das Schweizer Armeemesser seit 1992 zum Überlebenskit der NASA-Astronautinnen und -astronauten.
Übrigens ist es auch Teil der Ausrüstung der niederländischen, deutschen, malaysischen und natürlich der Schweizer Armee. Ende der 1880er-Jahre entschied sich die Schweizer Armee zur Beschaffung eines klappbaren Soldatenmessers, das zum Essen und Zerlegen des Standardgewehrs dienen sollte. Zehn Jahre später bestellte sie das Modell 1890 mit Klinge, Schlitzschraubenzieher, Ahle und Dosenöffner.
Die ersten 15’000 Stück wurden in Deutschland produziert, wo John S. Holler das erste multifunktionale Messer der Geschichte entworfen hatte mit rund hundert Werkzeugen, darunter ein Zigarrenschneider, ein Rasiermesser und eine Minischaufel.

Einfaches Werkzeug oder Kunstobjekt
1896 entwickelte der aus Schwyz stammende Karl Elsener, Hersteller von chirurgischen Instrumenten, sein erstes klappbares Offiziersmesser, das er mit einer zweiten Klinge und einem in Frankreich produzierten Korkenzieher ausstattete. Das Unternehmen Victorinox, dessen Name sich aus dem Vornamen der verstorbenen Muttter des Gründers (Victoria) und dem Suffix «inox» (rostfrei) für das seit 1921 verwendete Edelstahl zusammensetzt, baute seine Produktepalette ständig aus.
Dieses Bestreben hält bis heute an. Eine der wohl skurrilsten Erfindungen ist das Modell Wenger 16999, das rund 1,4 Kilogramm wiegt. Victorinox kaufte das Konkurrenzunternehmen im Jahr 2005. Das Modell gilt als Sammelstück ohne seinesgleichen.

Zu einem der wohl bekanntesten Schweizer Taschenmesser gehört das «Swiss Army Knife», das unter Insidern auch SAK genannt wird. Das rote Messer mit dem Schweizerkreuz wurde zu einem Kunstobjekt, das im Museum für moderne Kunst in New York, im Design-Museum in London und in der Neuen Sammlung in München ausgestellt ist
Das Schweizer Sackmesser: Von Ibach in die internationalen Museen
Das Schweizer Sackmesser von Victorinox, eine Ikone des Schweizer Designs, wird nach wie vor am historischen Standort in Ibach im Kanton Schwyz hergestellt. Seit über 140 Jahren symbolisiert dieses Multifunktionswerkzeug das Know-how, das die Marke zum führenden Messerhersteller Europas gemacht hat. Mit einer Kollektion von über 300 Modellen mit bis zu 80 Funktionen umfasst das Sortiment mehrere Kultmodelle, vom Swiss Champ mit 33 Funktionen bis zum Wine Master oder Classic SD Alox, die beide mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet wurden. Jedes Jahr bereichern neue Designs und limitierte Auflagen ein Universum, das Sammler und Liebhaber gleichermassen begeistert.
Als Kombination aus Präzision, Einfallsreichtum und ikonischen Linien haben sich die Victorinox-Sackmesser einen festen Platz in internationalen Museen erobert. Der legendäre Champion wird seit 1977 im Museum of Modern Art (MoMA) in New York ausgestellt. In London widmet ihm das Design Museum einen festen Platz in seiner Ausstellung «Designer, Maker, User», während in China das Kulturzentrum Design Society in Shenzhen seit 2018 eine Auswahl von Stücken in der Victoria & Albert Gallery präsentiert. Diese institutionelle Anerkennung bestätigt den Status des Schweizer Sackmessers als vollwertiges Designobjekt.

Dieser Artikel von Chams Iaz erschien ursprünglich am 6. August 2020 in der Westschweizer Zeitung Le Temps.