Die Guten Dienste der Schweiz
Dank ihrer Vermittlertätigkeit hat die Schweiz in der Vergangenheit zur Lösung zahlreicher internationaler Konflikte beigetragen. Sie betätigt sich zudem als Schutzmacht für Drittländer im Falle abgebrochener diplomatischer Beziehungen und als Gastgeberin bei internationalen Konferenzen oder hochrangigen Treffen. Die Guten Dienste sind als Teil der aussenpolitischen Aufgaben in der Bundesverfassung verankert.

Als neutrales Land mit einer langen föderalistischen Tradition bietet die Schweiz Konfliktparteien regelmässig ihre guten Dienste an. Dies kann sich darauf beschränken, den Verhandlungsort zur Verfügung zu stellen oder aber aktiv Kontakte zwischen den Konfliktparteien herzustellen und Vermittlerdienste anzubieten, die zu einer Verständigung zwischen den Parteien oder gar zu einem Friedensabkommen führen.
In den letzten Jahrzehnten war die Schweiz an gut 30 Verhandlungen beteiligt in mehr als 20 Ländern. So ist es ihr zum Beispiel gelungen, ein Waffenstillstandsabkommen in den nubischen Bergen des Sudan zur Unterschrift zu bringen. Sie hat sich an den Gesprächen zwischen Rebellengruppen und Regierung in Kolumbien beteiligt und hat die offizielle Kontaktnahme zwischen Rebellen und Regierung auf Sri Lanka ermöglicht. In Nepal hat sie einen Beitrag geleistet zum Friedensschluss zwischen den maoistischen Rebellen und der Regierung sowie in Mosambik zwischen der Oppositionspartei Renamo und der Regierung. Zudem unterstützte die Schweiz während Jahren die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm, die 2015 mit einem Abkommen besiegelt wurden. Im Falle der anhaltenden militärischen Aggression Russlands gegen die Ukraine veranstaltete die Schweiz im Juni 2024 eine hochrangige Konferenz zum Frieden in der Ukraine. Ziel des Treffens, an dem 100 Delegationen aus der ganzen Welt teilnahmen, war es, ein gemeinsames Verständnis für einen möglichen Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine zu entwickeln.
Angesichts der Zunahme von Konflikten innerhalb eines Landes sah sich die Schweiz in den letzten Jahren gezwungen, ihre guten Dienste auch rivalisierenden Gruppen und nicht nur Repräsentanten eines Staates anzubieten. . Inzwischen interveniert sie häufig im Rahmen von Operationen, die von mehreren Staaten, wie etwa der Europäischen Union, oder von internationalen Organisationen wie der UNO und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) koordiniert werden. Im Falle des Bürgerkriegs in Syrien z. B. unterstützte die Schweiz die UNO mit fachlicher Expertise, beherbergte die Verhandlungen 2016 in Genf und schuf die Plattform «Civil Society Support Room».
Ihre guten Dienste leistet die Schweiz auch als Schutzmacht im Falle eines Konflikts zwischen zwei Ländern. Sie dient dabei dem einen Land als «Briefkasten» zur Wahrung seiner diplomatischen Interessen im Konfliktland und ermöglicht dabei beiden Ländern ein Minimum an Beziehungen. Derzeit übt die Schweiz acht solche Mandate aus: Iran in Ägypten und in Kanada, USA in Iran, Russland und Georgien (gegenseitig), Ecuador und Mexiko (gegenseitig) sowie Ecuador in Venezuela.