Güterverkehr
Der Güterverkehr in der Schweiz zeichnet sich durch eine starke Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Effizienz aus. Im europäischen Verkehrsnetz nimmt die Schweiz eine besondere Stellung ein: Ein Grossteil der internationalen Warentransporte von Nord- nach Südeuropa (und umgekehrt) traversiert die Alpen.

Der Güterverkehr in der Schweiz wird in erster Linie über den Landweg abgewickelt, also via Strasse und Schiene, welche sich ergänzen. Die Feinverteilung erfolgt meist über die Strasse, während die Schiene bei längeren Distanzen Vorteile bietet. Die jährliche Transportleistung in der Schweiz von über 25 Milliarden Tonnenkilometern wird zu rund 60 % von Strassenfahrzeugen geleistet, und zu 40 % von der Bahn. Damit ist die Schweiz im Bahngütertransport in Europa Spitzenreiterin, gefolgt von Österreich mit 30 %, während der EU-Durchschnitt bei knapp 20 % liegt. Im alpenquerenden Güterverkehr lag der Schienenanteil in der Schweiz mit mehr als 70 % nochmals deutlich höher. Neben der Strasse und der Schiene sind im Import- und Exportverkehr auch die Luftfracht, die Rheinschifffahrt sowie die Öl-Pipelines von Bedeutung.
Güterverkehr auf der Strasse
In der Schweiz sind fast 500 000 Güterfahrzeuge zugelassen, wobei leichte Lieferwagen unter 3,5 Tonnen zahlenmässig dominieren und deutlich mehr Kilometer zurücklegen als schwere Fahrzeuge. Dennoch erbringen schwere Lastwagen und Sattelschlepper rund 95 % der Transportleistung. Leichte Lieferwagen tragen wegen ihres geringen Ladegewichts wenig dazu bei, legen aber viel weitere Strecken zurück. Sie werden häufig von Handwerkern genutzt und sind beladen mit Werkzeugen und Ersatzteilen. Heute sind drei Viertel von ihnen hybrid betrieben, rein elektrische Antriebe sind noch selten. Dass immer mehr vergleichsweise saubere Fahrzeuge in der Schweiz verkehren, hat zwei Gründe: Einerseits der technische Fortschritt und andererseits die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), welche emissionsarme Fahrzeuge durch reduzierte Abgaben fördert.
Gütertransport auf der Schiene
Auf dem Schweizer Schienennetz werden pro Jahr mehr als 66 Millionen Tonnen Güter befördert. Der Transport erfolgt oft in Containern, in Wechselbehältern oder auf sogenannten Rollenden Landstrassen, bei denen ganze Lastwagen auf Züge verladen werden. Der Schienentransport wird vor allem über lange Distanzen genutzt: zwei Drittel davon sind Transitfahrten. Im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr ist Deutschland führendes Herkunfts- und Zielland, mit grossem Abstand gefolgt von Belgien und Italien.
In der Schweiz ist der Anteil am Schienengüterverkehr, insbesondere im Transitverkehr, besonders hoch. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat gezielter Fördermassnahmen: In der Schweiz begünstigen strenge Vorschriften, ein Nachtfahrverbot (22.00–05.00 Uhr) und hohe Strassengebühren für LKWs – die sogenannte Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) – die Verlagerung auf die Schiene. Aber auch finanzielle Unterstützungen des Schienengüterverkehrs durch den Staat mit Investitionshilfen und Abgeltungen, sowie die Modernisierung der Infrastruktur, fördern den Schienengütertransport.
Transit durch die Alpen
Die Schweiz hat mehrere Bahn- und Strassentunnel durch die Alpen gebaut, um den Transitverkehr durch die Berge, die eine natürliche Verkehrsbarriere darstellen, zu ermöglichen. Ein bedeutender Teil des internationalen Güterverkehrs zwischen Nord- und Südeuropa nutzt die Schweizer Alpenübergänge.
Die jährlich auf Strasse und Schiene über die Schweizer Alpen transportierte Gütermenge hat sich seit 1981, dem Jahr nach der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels, mehr als verdoppelt. Grund dafür ist das international stetig steigende Transportvolumen.
Im Gegensatz zur Situation in ihren Nachbarländern wird in der Schweiz für den transalpinen Warentransport hauptsächlich die Bahn benutzt. Sie verfolgt eine Politik der Verlagerung des Warentransports von der Strasse auf die Schiene, um den Lastwagenverkehr im Alpentransit zu reduzieren und damit Umwelt und Bevölkerung der betroffenen Bergregionen zu schützen. Damit folgt sie den Anforderungen der Schweizerischen «Alpeninitiative» und den Leitprinzipien der «Alpenkonvention», der multinationalen Vereinbarung zum Schutz der gesamten Gebirgskette.
Zur Unterstützung dieser Ziele und um dem stetig wachsenden Verkehr zu begegnen, baute die Schweiz ein Jahrhundertbauwerk, die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT). Sie ist seit 2020 in Betrieb und macht den Schienentransitverkehr leistungsfähiger und damit attraktiver: Mit den Basistunneln am Lötschberg, Gotthard und Ceneri schafft sie flachere, schnellere Bahnverbindungen. Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt und steht symbolisch für den Anspruch, Verkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.