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Veröffentlicht am 8. April 2016

Das Gotthard-Märchen

Die schroffe, verzweigte und manchmal etwas eigensinnige Geografie der Schweiz spornt uns zu Höchstleistungen an. Es besteht kein Anlass, die Alpen auf dem Elefantenrücken zu überqueren wie einst Hannibal – zumindest der Legende zufolge. Der Bau des Gotthardtunnels ist ein wahr gewordenes Märchen.

Rot-weisser Zug fährt auf einer verschneiten Bahnstrecke durch eine winterliche Berglandschaft, umgeben von Wäldern und Strassen im Tal.

Etwas Geschichte

Der Gotthard wird schon seit Jahrhunderten überquert. Der im 13. Jahrhundert erschlossene Saumweg wurde zuerst mit Maultieren begangen. Später brachte die Postkutsche eine kleine Revolution. Briefe und Pakete wurden nun in pferdegezogenen Kutschen über die Alpen transportiert. Die Vorläuferin von DHL und Fedex war zwar etwas weniger schnell, aber genauso effizient.

Serpentinenreiche Bergstrasse mit zahlreichen Kehren durch eine felsige und grüne Landschaft, umgeben von steilen Hängen und Bergen in der Ferne.

Meisterleistung von 1882

Die Erfindung der Eisenbahn veränderte das Reisen auf der Nord-Süd-Achse radikal. Der Gotthard-Eisenbahntunnel, ein doppelgleisiges Meisterwerk mit einer Länge von 15 Kilometern, wurde 1882 eröffnet. Er verbindet das nördlich der Alpen gelegene Göschenen im Kanton Uri mit Airolo im Kanton Tessin.

Gruppe von Arbeitern vor einem Tunnelportal, in damaliger Arbeitskleidung, teils auf einem Wagen sitzend, teils neben den Schienen stehend.

Im ersten vollständigen Betriebsjahr 1883 durchquerten über 250 000 Reisende und 300 000 Tonnen Güter den Tunnel. Seit 1909 betreiben die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die legendäre und unverzichtbare Eisenbahnlinie.

Von gestern zu heute

Seit damals ist nicht nur viel Wasser die Reuss hinuntergeflossen. Auch beim Bau des Gotthard-Basistunnels fliesst Wasser, das intelligent genutzt und rezykliert wird. Das Wasser erreicht je nach Dicke des Felsens eine Temperatur von 20 bis 40 Grad Celsius. Dank dem starken Gefälle können die Häuser in der Nähe des Tunnels mit dieser interessanten geothermischen Ressource geheizt werden.

Die Bauzeit bis zur Fertigstellung dieses Meisterwerks der Ingenieurkunst beträgt 17 Jahre. Der neue Gotthard-Basistunnel verkörpert Schweizer Werte wie Innovation, Präzision und Zuverlässigkeit. Der mit 57 Kilometern längste Eisenbahntunnel der Welt liegt bis zu 2300 Meter unter der Erdoberfläche. Nach der Eröffnung verkürzt sich die Reisezeit zwischen Erstfeld nördlich der Alpen und Bodio am Südportal auf weniger als 20 Minuten. Damit trägt die Schweiz zur Annäherung der Städte, Regionen und Länder Nord- und Südeuropas bei.

Arbeiter in orangefarbener Kleidung verlegen Schienen in einem Eisenbahntunnel im Bau, umgeben von Werkzeugen, Maschinen und Material entlang der Gleise.

Das Abenteuer war aber noch nicht fertig. Im Jahr 2020 wurde der Ceneri-Basistunnel eröffnet, der Bellinzona mit Lugano verbindet. Dank diesem Zubringer zum Gotthard-Basistunnel entstand eine durchgehende Flachbahn durch die Alpen. Die Reisezeit zwischen den beiden Wirtschaftsmetropolen Zürich und Mailand verkürzte sich auf knapp drei Stunden. Die Fahrt durch den Basistunnel ermöglicht eine Zeitersparnis von fast einer Stunde im Vergleich zur herkömmlichen Strecke, die nicht durch die Tunnel führt.

Vorteile der neuen Strecke

Als Flachbahn mit weniger Steigungen bzw. Gefälle ergänzt der Gotthard-Basistunnel die bestehenden Bergstrecken und ermöglicht höhere Geschwindigkeiten und den Einsatz von schwereren Güterzügen.

Die neue Eisenbahn-Alpentransversale NEAT mit den prominenten Basistunneln durch den Gotthard, den Monte Ceneri und den Lötschberg bietet eine attraktive Alternative zum Verkehr auf der Strasse.

Damit setzt die Schweiz einen neuen Meilenstein auf der geschichtsträchtigen Gotthardstrecke. Ein etwas verrücktes Projekt wird Realität.